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Interdisziplinäre Tagung am 1./2. Oktober 2010 in Düsseldorf veranstaltet vom Promotionskolleg »Demokratie und Kapitalismus« an der Uni Siegen, gefördert durch die Rosa Luxemburg Stiftung.

Finanzmarktkapitalismus, New Public Management, PPP, Hartz-IV, Unterschichtendebatten, Postdemokratie und Multi-level-Governance. Dies sind nur einige der derzeit kursierenden Signalwörter, die in sozial- und geisteswissenschaftlichen, aber auch in öffentlichen Debatten anzeigen, dass sich Kapitalismus und Demokratie wandeln – und damit auch ihr Verhältnis zueinander. Trotz der Transformationen beider Sphären wirken aber auch starke Beharrungstendenzen, die die Verwendung der Containerbegriffe “Demokratie” und “Kapitalismus” rechtfertigen: Einerseits ist der Kapitalismus der Gegenwart ein Wirtschafts- und Vergesellschaftungszusammenhang, der in maßgeblichen Aspekten über die Zeit stabil geblieben ist. Andererseits hat sich in weiten Teilen der Welt im Laufe des 20. Jahrhunderts die liberale, repräsentative Demokratie als Form gesellschaftlicher Partizipation durchgesetzt und stabilisiert. Dies hat (neben dem Ende der Systemkonkurrenz Anfang der 1990er Jahre) nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass sich die Sichtweise durchsetzen konnte, der Kapitalismus sei der effizienteste Weg gesellschaftlicher Reproduktion und die politische Form der liberalen Demokratie der Königsweg gesellschaftlicher Partizipation. Dennoch sind weder die vorherrschenden Formen ökonomischer und politischer Vergesellschaftung für sich noch ihr Verhältnis zueinander spannungsfrei. Die Gegenwart ist vielmehr weiterhin geprägt von einer Vielzahl sozialer Konflikte, die aus den dysfunktionalen Momenten marktvermittelter Güter- und Ressourcenallokation, schlichter Ausbeutung oder politischer Exklusion resultieren. Deshalb sollten auch beide Sphären und ihr Verhältnis zueinander Gegenstand der Kritik bleiben. Wie die jüngste Finanzkrise bestätigt, haben die Kategorien der Kritik der politischen Ökonomie noch lange nicht ausgedient. Und auch die Aushöhlungsprozesse auf der Ebene demokratischer Regierungssysteme legen es erneut nahe, Möglichkeiten der demokratischen Rücknahme der Politik in die Gesellschaft auszuloten.

Der Anschein allgegenwärtiger Problematisierungen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass kritische Auseinandersetzungen mit dem Verhältnis von Demokratie und Kapitalismus äußerst rar sind. Genauso steht es um die Räume – nicht nur in den Wissenschaften – für die Diskussion von Konzepten und Praktiken, die über die gegenwärtigen Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens hinausweisen.

In dieser fächerübergreifenden Tagung mit dem Titel „Perspektiven der Demokratie“ sollen deshalb sowohl Analysen aktueller Entwicklungstendenzen als auch Fragen nach den Perspektiven von Alternativansätzen diskutiert werden. Vier Schwerpunktsetzungen stehen im Mittelpunkt, die Gegenstand folgender thematischer Panels sein werden: Theorien des Wandels von Kapitalismus und Demokratie, aktuelle Macht-, Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse, gegenwärtige Entwicklungen in (Aus-)Bildung und Arbeitswelt sowie Handlungsperspektiven.

Ein organisatorischer Schwerpunkt dieser Tagung besteht darin, Nachwuchswissenschaftler_innen in den Panels Raum zu geben für Darstellung (15 Minuten) und Diskussion ihrer aktuellen Projekte. Zusätzlich strukturieren zwei Vorträge und eine Podiumsdiskussion den Tagungsverlauf Im Eröffnungsvortrag wird Birgit Sauer über Perspektiven der Demokratie sprechen. Michael Krätke beleuchtet das spannungsreiche Verhältnis zwischen Demokratie und Kapitalismus  und Christina Kaindl und Katharina Pühl werden sich auf der abschließenden Podiumsdiskussion der Frage nach dem Perspektivenpotential des Sozialismus zuwenden.

Wir bemühen uns darum, die Vorträge zwei Wochen vor Beginn der Tagung auf dieser Website zur Tagung zu veröffentlichen.

Tagungsort ist die Jugendherberge City-Hostel in Düsseldorf. Es gibt keine pauschale Teilnahmegebühr. Dennoch bitten wir alle, die an der Tagung teilnehmen wollen, sich mit dem Anmeldeformular auf der Website anzumelden. Alternativ ist es auch möglich eine Email an die Adresse anmeldung@perspektivenderdemokratie.de zu senden. Zusätzlich zur Teilnahmeanmeldung ist es dort möglich, Schlafplätze zu reservieren und  Mittagessen zu bestellen. Eine Übernachtung kostet 25,30 Euro,  das Mittagessen pro Tag 5,50 Euro. Die Frist für Teilnahmeanmeldungen mit Übernachtung ist aber bereits der 9.8.2010.

Update [12.08.2010]

Anmeldungen, die Teilnahme oder Teilnahme plus Mittagessen betreffen, sind bis zum 16.09. möglich.

Die Frist für die Teilnahmeanmeldung mit Übernachtung ist zu Ende. Übernachtungen in der Jugendherberge (ein Link zu der Website der Herberge ist zu finden unter “Webbeschreibung”) oder andernorts müssen nun in Eigenregie organisiert werden.